Gesunde Handwerksbetriebe brauchen gesunde Mitarbeiter

Ausgangsüberlegungen für das Projekt NOAH.in

Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Praxis zeigen: 

  • Der unternehmerische Erfolg eines Handwerksbetriebes hängt entscheidend von seinen leistungsfähigen (kompetenten und gesunden) sowie leistungsbereiten Mitarbeitern ab.
  • Sichere und gesunde Arbeitsbedingungen vermeiden unnötige Kosten.
  • Der Anteil der Mitarbeiter, für die sichere, gesunde und attraktive Arbeitsbedingungen sehr wichtig sind, steigt deutlich. Deshalb sind solche Arbeitsbedingungen auch eine wichtige Voraussetzung für die Gewinnung und Bindung von Fach- und Nachwuchskräften.
  • Sichere, gesunde und attraktive Arbeitsbedingungen sind leistungsfördernd.
  • In sichere, gesunde und attraktive Arbeitsbedingungen zu investieren rentiert sich. Dies zeigt die Studie „Return on Prevention“.
  • Sichere und gesunde Arbeitsbedingungen erhöhen auch die Rechtssicherheit.
  • Die Arbeitsbedingungen sicher, gesund und attraktiv zu gestalten ist auch in Handwerksbetrieben mit einem vertretbaren Aufwand möglich.

Handwerksbetriebe benötigen eine Orientierung, wie der Arbeitsschutz handwerksgerecht gestaltet werden kann

Eine solche Orientierung stellt insbesondere das zusammen mit Handwerksunternehmern entwickelte und in mehreren Betrieben erprobte NOAH-Konzept (NOAH = nutzenorientierter Arbeitsschutz im Handwerk) dar. Ein Anwender wurde 2011 mit dem Deutschen Arbeitsschutzpreis ausgezeichnet. Dies zeigt: Der Arbeitsschutz lässt sich handwerksgerecht gestalten!

Die Erfahrungen aus der eigenständigen Fortführung und der Anwendung des NOAH-Konzeptes, beispielsweise durch Beratende im Handwerk, weisen auf Weiterentwicklungsbedarfe. Dies sind: Die Umsetzung ist zu stark auf den Unternehmer fokussiert. Sinnvoll wäre die Benennung eines innerbetrieblichen „Kümmerers“, der in Abstimmung mit seinem Chef die Implementierung in die betrieblichen Prozesse, Zuständigkeiten und den Alltag organisiert, sie verfolgt und dem Chef berichtet. Hierfür ist eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter zur/m AMS-Beauftragten zu qualifizieren. Die Benennung und Einweisung von Verantwortlichen vor Ort reicht nicht aus. Sie müssen qualifiziert werden. Darüber hinaus berücksichtigt das NOAH-Konzept neuere Forderungen, wie die Beurteilung psychischer Belastungen, nicht. Handwerkstaugliche Werkzeuge sind bei der Weiterentwicklung des NOAH-Konzeptes zu integrieren.

Handwerksbetriebe haben bei der Gestaltung eines wirksamen Arbeitsschutzes vielfach einen Handlungsbedarf

Die Handwerksforschung zeigt, Prävention (Sicherheit, Gesundheitsschutz, alterssensible Arbeits- und Organisationsgestaltung etc.) und Gesundheitsförderung werden in vielen Handwerksbetrieben häufig wenig systematisch und nur bedingt wirkungsvoll umgesetzt (siehe beispielsweise die Ergebnisse des BMBF-Projektes NOAH). Dieser Zustand und deren Folgen (beispielsweise überdurchschnittliche Belastungen und Gefährdungen sowie die geringe Attraktivität am Arbeitsmarkt) sind für die Beschäftigten, die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit vieler Handwerksbetriebe und auch die Versorgung der Gesellschaft mit handwerklichen Dienstleistungen (z. B. die Wartung von Heizungen) zunehmend bedenklich. Der damit verbundene Handlungsbedarf, insbesondere bei der Gestaltung sicherer, gesunder und attraktiver Arbeitsbedingungen und der handwerksgerechten Organisation des Arbeitsschutzes, ist in vielen Fällen groß und teilweise sogar existentiell. Vielfach wird dieser Handlungsbedarf von den Unternehmern nur latent gesehen.

Viele Handwerksbetriebe benötigen eine handwerksgerechte Unterstützung beim Aufbau eines einfachen und systematischen Arbeitsschutzes

Das Handwerk besteht fast ausschließlich aus Kleinst- und Kleinbetrieben. Im Durchschnitt arbeiten in einem der ca. 1. Mio. Handwerksbetrieben in Deutschland etwas mehr als 5 Beschäftigte (Angaben des ZDH: Zentralverband des Deutschen Handwerks). Die Fokussierung aller Geschäftsprozesse auf den Unternehmer, die dadurch bedingte Überlastung sowie die häufig fehlenden bzw. nicht in Anspruch genommenen Zuschaltkapazitäten führen dazu, dass viele der kleinen Handwerksbetriebe diese Herausforderungen nur bedingt bewältigen können. Sie benötigen eine handwerkstaugliche Unterstützung. Dabei ist zu beachten: Beratungen, die die Unternehmer „nur entlasten“ und sie nicht bei der Gestaltung und Umsetzung unterstützt, wie beispielsweise die „bloße“ Bereitstellung von Gefährdungsbeurteilungen oder die Durchführung von Unterweisungen, ohne eine aktive Mitwirkung des Handwerksunternehmers, sind kaum wirksam, nachhaltig und teilweise sogar kontraproduktiv. Erforderlich sind ein coachen des Unternehmers sowie der Führungskräfte beim Aufbau eines handwerksgerechten Arbeitsschutzes mit System, eine Einbindung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes in die betrieblichen Prozesse, Zuständigkeiten und den Alltag sowie die Einbeziehung der Beschäftigten. Im Handwerk ist es zudem nicht ausreichend, wenn nur Werkzeuge, wie beispielsweise die INQA-Checks und -Handlungshilfen bereitgestellt werden. Sinnvoll ist die Anwendung dieser Werkzeuge, beispielsweise des GDA-ORGAchecks unter Anleitung eines Beratenden im Handwerk. Diese Notwendigkeit ergibt sich auch aus den Ergebnissen neuerer Handwerksprojekte, wie insbesondere den Projekten HaFlexSta und inno.de.al. Sie belegen die Potenziale der Einbindung handwerksgerecht gestalteter Werkzeuge in ein handwerkstaugliches Unterstützungskonzept, das die Beratenden im Handwerk adressiert. Ein gutes Beispiel hierfür ist auch das Beratungsprogramm unternehmensWert:Mensch. Hier werden die Kleinbetriebe zumindest anfangs beim Konzipieren und Umsetzen von Veränderungs- oder Entwicklungsprozessen begleitet.

Gefördert durch:

Im Rahmen der Initiative:

Fachlich begleitet durch: